„Die Sonne brennt nicht, sondern liebkost“ schrieb Anton Tschechow drei Wochen vor seinem Tuberkulosetod aus Badenweiler. Mit ihm war Olga Knipper, seine „kleine Deutsche“ und seit 1901 seine Gattin, in den Kurort gekommen. Im April 1899 hatte er Olga bei den Proben zu seinem Drama „Die Möwe“ im Moskauer Künstlertheater Stanislawskis kennen und lieben gelernt, doch ihre kurze Zeit gemeinsamen Lebens sollte vielfach nur in Briefen ihre Erfüllung finden: weilte Olga doch meist auf der Bühne in Moskau und Tschechow aus Gesundheitsgründen im Ausland oder im fernen Jalta. Doch man schrieb sich Briefe, täglich, voller Sehnsucht, Hoffnung und Leidensdruck, voller Reflexionen und Visionen. Diese Korrespondenz wurde zum herausragenden Zeugnis einer Liebesbeziehung, die stets unter dem Anspruch schriftstellerischer und theatralischer Berufung und der Last fortschreitender Krankheit bis zum Reißen gespannt war. Die Hamburger Schauspielerin Margrit Straßburger gibt Olga Knipper als dramatisches Frauensolo mit solch überzeugender Intensität, Einfühlung und emotionaler Tiefe wieder, daß sie mit dieser Inszenierung 2002 an die Deutsche Botschaft in Moskau und 2003 zum renommierten Internationalen Theaterfestival in Melichowo, Tschechows ehemaligem Gutshof bei Moskau, geladen wurde. Im 100. Todesjahr von Tschechow ist diese brillante Aufführung nun auch im Kulturforum zu erleben.