Unter den Schriftstellern deutscher Sprache ist Thomas Mann mit der Musik sehr eng verbunden. Dafür spricht vor allem sein Roman "Doktor Faustus": Der Held ist ein Komponist. In seinem "Roman eines Romans" mit dem Titel "Die Entstehung des Doktor Faustus hat sich der Dichter selbst sogar als Komponisten bezeichnet und erklärt, daß der "Doktor Faustus" mit "konstruktiver Musik" gleichzusetzen sei. Seine hervorragende Musikverbundenheit ist aber auch in anderen Dichtungen sowie in Vorträgen und Essays von ihm zu entdecken, und das gilt besonders für sein Verhältnis zu Richard Wagner. Diese außerordentliche musikalische Empathie wird weithin anerkannt und gilt allgemein als unbestritten. Wie
verhält es sich aber - abgesehen vom Gefühlten - mit Thomas Manns Musikalität im faktisch nachprüfbaren Sinne? Da gibt es offenbar gewisse Grenzen, und es ist angebracht, sie zu erkunden.
Georg Borchardt ist Musik- und Literaturwissenschaftler. 1988 gründete er in Hamburg die Gustav-Mahler-Vereinigung.
Veranstalter: Kulturforum